23.03.2010

Pressemeldung

Stromnetz in Südhessen wird intelligent: Zehn europäische Firmen im EU-Projekt "Web2Energy"

DARMSTADT (leu) – Ein Konsortium aus zehn europäischen Unternehmen wird in Südhessen die Kommunikationsstandards für die intelligenten Stromnetze (Smart Grids) der Zukunft erarbeiten. Die Anforderungen sind groß: Immer mehr Strom aus regenerativen Quellen wird in das Netz eingespeist. Dieses Stromaufkommen unterliegt jedoch starken Schwankungen. Das schwankende Stromangebot muss mittels moderner Informations- und Kommunikationstechnologie mit dem Stromverbrauch in Einklang gebracht werden. Das auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt kostet rund fünf Millionen Euro. 2,9 Millionen Euro steuert die Europäische Union bei – den Rest teilen sich die beteiligten Unternehmen aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Niederlande und Polen. Die Leitung des Projektes mit dem Titel "Web2Energy" liegt bei der Darmstädter HEAG Südhessische Energie AG (HSE). Anlässlich des ersten Bewilligungsbescheids aus Brüssel wurde das Vorhaben am Montag (22.) im Beisein von Umweltstaatssekretär Mark Weinmeister vorgestellt.

"Die HSE steht für den Umbau der Energieversorgung in Richtung Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Deswegen investieren wir nicht nur in den Ausbau der regenerativen Energien, wir schaffen auch die Grundlagen für die intelligenten Stromnetze der Zukunft", erläutert Albert Filbert, Vorstandsvorsitzender der HSE.
Der hessische Staatssekretär im Umweltministerium Mark Weinmeister freut sich, dass das Projekt in Südhessen durchgeführt wird: "Die Entscheidung der Europäischen Union, dieses Forschungsprojekt dem Konsortium unter der Leitung der HSE zu geben, spricht für die Leistungsfähigkeit der beteiligten Unternehmen und für den Standort Hessen. Das Pilotprojekt passt zu unserem erklärten Ziel, bis zum Jahr 2020 den Anteil von Energie aus Sonne, Wasser, Wind und Biomasse auf 20 Prozent am Endenergieverbrauch zu steigern."

Bis die intelligenten Netze jedoch flächendeckend zur Verfügung stehen, ist noch viel Grundlagenarbeit notwendig. "Bislang gibt es keinen einheitlichen Kommunikations- und Datenstandard über den alle Akteure im Stromnetz kommunizieren können", so Dr. Bernd Buchholz vom Beratungsunternehmen NTB Technoservice. Hier soll das Forschungsprojekt Lösungen finden. Buchholz ist einer der Väter von IEC 61850, dem internationalen Kommunikationsstandard für Umspannwerke. "Ziel unseres Projektes ist es, diesen offenen Kommunikationsstandard weiter zu entwickeln, damit er auch zum weltweiten Standard für die Kommunikation in Verteilungsnetzen wird. Web2Energy ist das einzige derzeit laufende Projekt, in dem Entwicklungstätigkeit und Standardisierung Hand in Hand gehen", erläutert Buchholz.


"Im Projekt "Web2Energy" werden Lösungen für die drei zentralen Bereiche intelligente Zähler, intelligentes Energiemanagement und intelligente Fernwirktechnik entwickelt und unter Praxisbedingungen getestet", erklärt Bernhard Fenn, der als Prokurist der HSE das Projekt leitet.

Mehrere hundert Stromkunden aus ausgewählten Baugebieten in Darmstadt-Eberstadt, Ober-Ramstadt, Groß-Bieberau, Münster, Eppertshausen und Schaafheim erhalten intelligente Stromzähler (Smart Meter), die den Stromverbrauch zeitabhängig erfassen und aus der Ferne abgelesen werden können. Darüber hinaus können die Zähler variable Stromtarife verarbeiten und über Schnittstellen intelligente Gebäudetechnik steuern. Damit kann der Stromverbrauch stärker an das aktuelle Stromangebot angepasst werden.

Weiterhin gilt es über ein intelligentes Energiemanagement, die wachsende Zahl der dezentralen Energieerzeuger zu koordinieren und ihre Leistung als virtuelles Kraftwerk bereitzustellen. Hierzu werden HSE-eigene Biogasanlagen, Photovoltaikanlagen und Blockheizkraftwerke sowie Wasserkraftanlagen am Neckar zur Laststeuerung zusammengeschaltet. Gleichzeitig sollen innovative Speichertechnologien Lücken zwischen Stromangebot und Stromnachfrage überbrücken.

In Deutschland gibt es Dank gut gepflegter Versorgungsnetze nur selten Versorgungsunterbrechungen. Treten sie dennoch auf, müssen zur Ortung und Beseitigung der Störung zahlreiche Ortsnetzstationen einzeln angefahren werden. Im Rahmen des Projektes sollen über eine intelligente Fernwirktechnik diese Abläufe automatisiert und damit erheblich verkürzt werden. Die zentrale Koordination erfolgt dabei über die Querverbundleitstelle des Verteilnetzbetreibers (VNB) Rhein-Main-Neckar in Darmstadt.

 

Vertreter von zehn europäische Unternehmen stellten am Montag das EU-Forschungsprojekt der Öffentlichkeit vor. Mit dabei auch der hess. Energie-Staatssekretär Mark Weinmeister (6.v.r.) und HSE Vorstand Albert Filbert (7.v.l.).

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